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Erfahrungsbericht über
einen Freiwilligendienst in Ghana bei DAVS Ich habe im Alter von
19 Jahren von August bis Oktober 2007 drei Monate in Ghana einen Freiwilligendienst
absolviert. Meine Motivation war wohl der allgemein bekannte Drang, aus dem Alltagstrott
herauszukommen, sich mit neuen Herausforderungen zu konfrontieren und sich zu
beweisen, dass man inzwischen für sich selbst sorgen kann. So lag die Priorität
zunächst auf Abenteuer und der Aspekt des Weltverbesserns war eher trivial.
Die
Arbeit in einem Waisenhaus in Westafrika in der ländlichen und armen Voltaregion
in Ghana schien meinen Ansprüchen in vollem Umfang zu entsprechen und so
beschloss ich, mich für einen überschaubaren Zeitraum ins Ungewisse
zu begeben. Die Zeit bis zum Abflug verbrachte ich mit den üblichen Obliegenheiten,
wie Impfen, Informieren und Abschiedsparty. (Im Bezug auf das Impfen ist die Kontaktierung
eines Tropeninstitutes durchaus erstrebenswert.) In Punkto Information, hatte
ich mich primär auf das obligatorische Vorbereitungsseminar von YAP verlassen.
Leider wurde jedoch meine Erwartung an gewinnbringende Informationen herb enttäuscht,
da ich feststellen musste, dass vor mir noch nie jemand das Projekt gesehen hatte
und ich nun der erste sein sollte, der sich mit diesem auseinandersetzt. Lediglich
die Internetpräsens von DAVS, der ghanaischen Partnerorganisation von YAP,
bot mir ein paar Einblicke auf das, was mich erwartete, auch wenn sich später
herausstellen sollte, dass die dargelegten Projekte lediglich ansatzweise der
Realität entsprachen. (Eine durchaus sinnvolle Aktion, auf der Suche nach
Information, wäre, den von YAP angegebenen Mentor zu interviewen.) Zum
Punkt Abschiedsparty sei nur soviel angemerkt, dass man keine Gelegenheit zum
feiern ungenutzt verstreichen lassen sollte :). Voller Vorfreude auf die
anstehende Arbeit mit Kindern und der ersehnten Abnabelung von zu Hause, jedoch
belastet mit der Unklarheit was mich erwarten würde, machte ich mich auf
nach Ghana. In der Hauptstadt Accra angekommen, prallte ich leidlich unvorbereitet
mit der mir absolut fremden Kultur zusammen. Meine Ankunft wurde mir etwas erschwert,
da niemand mich abholte und die Kommunikation mit DAVS nicht ganz einfach war,
auch war mein erster Anlaufspunkt eine Beerdigung und es war nicht wirklich zu
ergründen, wie es weiter gehen würde. Nachts fuhr man mit mir weiter
nach Ho. Dort lernte ich die Organisation kennen und die anfängliche Verwirrung
lichtete sich nach und nach. Pauschal überwogen anfänglich die Verunsicherung
und das Verlangen nach alter Gewohntheit. Meine Gefühlslage besserte sich
erst erheblich als ich im Waisenhaus anlangte, wo ich herzlich aufgenommen wurde
und zwei weitere Freiwillige aus den USA und Japan kennen lernte. Durch Eigeninitiative
gelang es uns drei Freiwilligen jedoch einen halbwegs durchstrukturierten Unterricht
aufzubauen und somit den fahlen Touristen-Beigeschmack unserer Anwesenheit zu
annullieren, da unserer Präsens nun eine sinnvolle Bestimmung zugrunde liegen
schien. Weiter war ich auf dem Gelände des Waisenhauses gärtnerisch
tätig und baute mit den Kindern unter anderem Fußballtore. Die
schönsten Momente in meinem Aufenthalt schenkten mir die unzähligen
Kinder, die mich schon bald als Lehrer, Fußballtrainer und Gärtner
in ihr Herz geschlossen hatten. Sie waren stets am toben und lachen und ahnten
noch nichts von ihrem schweren Los. Auch ich brauchte eine Zeit um zu realisieren,
dass die Idylle des urigen Waisenhauses im Regenwald nur all zu trügerisch
war. Keines dieser Kinder hatte die Chance auf eine gute Schulbildung, da
schon die Kleinsten vorzugsweise auf den Reisfeldern mithelfen mussten. Auch waren
es fortwährend die gleichen Spiele mit denen sich die Kinder ihre Zeit vertrieben
und nur wenige hatten je den 5 km entfernten Nachbarort zusehen bekommen.
So wich der Eindruck vom beschaulichen und harmonischen Heim und ich wurde der
Tristes und der deprimierenden Perspektivlosigkeit gewahr. Schon bald, nachdem
ich mich eingelebt hatte, kristallisierte sich für mich das Reisen als eine
der attraktivsten Unternehmungen heraus. Dieses ermöglichte mir einen verhältnismäßig
objektiven Eindruck von Kultur und Land, obgleich ich erkannte, dass drei Monate
ein etwas kurzer Zeitraum sind, um meinem Anspruch an Eindrücken und Erfahrungen
genüge zu tun. Zu meinem Bedauern musste ich meine letzte Reise, die
mich bis in den äußersten Norden Ghanas führen sollte, vorzeitig
abbrechen, da ich an reaktiver Arthritis erkrankte und diese mir das Laufen annähernd
unmöglich machte. Es sollte noch sechs Monate dauern bis ich keine Schmerzen
mehr hatte. An dieser Stelle sei vermerkt, dass eine Erkrankung nicht zwangsläufig
in Ghana die Rückreise bedeuten sollte. Nach eineinhalb Monaten erkrankte
ich an Malaria, doch trotz Armeisen im Bett des Krankenhauses therapierten mich
die Ärzte in Accra mit Erfolg. Bei der Arthritis diagnostizierten jedoch
vier Ärzte vier verschiedene Krankheiten, erst die Tropenklinik in Hamburg
erkannte die Gelenkerkrankung. So war meine Abreise eher überstürzt
und recht strapaziös. Als störend empfand ich das Desinteresse,
welches den Freiwilligen, nach beendeter Arbeit im Projekt, von der ghanaischen
Organisation gezollt wurde und Komplikationen bezüglich finanzieller Aspekte. Zurück
von meinem Freiwilligendienst bleiben sicher nicht nur gute Eindrücke, auch
wenn diese überwiegen. Ich bin nun sicherlich um den einen oder anderen Euro
ärmer, dafür aber um ein gutes Stück Lebenserfahrung reicher. Auch
sind meine Akzeptanz von Fremden und meine Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem
gewachsen. Den erhofften Wink für die Gestaltung meiner Zukunft offenbarte
sich mir jedoch nicht, dennoch kommt niemand von einer Reise wieder, wie er aufgebrochen
ist. von Arne Nord | |