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"Im Endeffekt sind wir alle gleich"

Junge Leute lassen sich vom Verein yap-cfd für freiwillige soziale Arbeit international vermitteln
Der Verein yap-cfd vermittelt junge Menschen für freiwillige soziale Arbeit in die ganze Welt. Das Interesse boomt, viele wollen Straßenkinder in Mexiko unterstützen oder Naturprojekte in Peru kennen lernen. Der Aufenthalt hilft, andere Kulturen zu verstehen und ist ein Bonus im Lebenslauf.


Frankfurt · 16. Februar Eine spanische Wortmelodie hallt durch den "Friedensbunker" in der Rendeler Straße 9 - 11, Geschäftsstelle des Vereins Youth Action for Peace, christlicher Friedensdienst (yap-cfd). Im Büro mit Fenster zur Südseite sitzt die Spanierin Raquel Dopico, den Telefonhörer in der Hand, und spricht engagiert mit Lateinamerika. Die 23-jährige Sozialarbeiterin ist guter Laune, schüttelt die schwarzen Locken und hört nebenbei leise Musik.
Aus Madrid ist sie für ein Praktikumsjahr hierher gekommen. Jetzt heißt es: Büroarbeit beim Verein, dann zwei Tage im Jugendzentrum am Heideplatz und einen Tag die Woche im internationalen Kinderhaus am Hauptbahnhof. "Deutsch konnte ich vorher nicht. Ich musste schnell lernen", gibt sie zu. Mit Menschen zu Arbeiten macht ihr Spaß. "Ich will helfen und danach in einer Non Profit-Organisation arbeiten."

Als anderer Mensch zurück kommen
Dopico gehört zu den 250 Frauen und Männern zwischen 18 und 26, die über das bundesweite Netzwerk von yap-cfd im Jahr 2004 nach Deutschland gekommen sind, manche auch für kürzere Workcamps. 140 Freiwillige, darunter zehn Frankfurter, hat Nikolaus Ell, zuständig für Organisation beim Verein, im vergangenen Jahr an Partnerorganisationen weltweit vermittelt. Ell bekommt 20 Anrufe am Tag, viele Interessenten stehen kurz vor dem Abitur. "Fürmanche ist das ein Bonus im Lebenslauf und für den Arbeitsmarkt später wichtig. Vor allem aber motiviert es die persönliche Entwicklung", sagt Ell. "Wer hinfährt, kommt als anderer Mensch zurück." Das hat auch die Frankfurter Schülerin Xemina Conrady (18) erfahren. Sie war sechs Monate beurlaubt und hat einen Monat in Haifa verbracht und fünf in der arabischen Kleinstadt Sachnin, wo sie in einer Frauenorganisation gearbeitet hat. "Die Frauen dort langweilen sich, dürfen keine Gymnastik machen, kein Instrument spielen. Dinge, die hier selbstverständlich sind."
Zurück in Frankfurt sieht sie die Verhältnisse mit anderen Augen. "Ich verstehe jetzt, warum Frauen sich mit Kopftuch bedecken, weil ich die Kultur kenne. Ich finde das jetzt nicht mehr komisch. Im Endeffekt sind wir doch alle gleich." Der Verein als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe organisiert auch Workcamps in Deutschland und in 40 Ländern weltweit, wo für zwei bis drei Wochen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus verschiedenen Ländern zusammen arbeiten, beispielsweise eine Art Waldspielplatz bauen wie im vergangenen Jahr in Neu-Isenburg. "Es geht nicht nur darum, etwas zu leisten. Die Arbeit ist das Mittel, um sich kennen zu lernen, kulturelle Normen und Unterschiede zu erfahren", so Ell. Darüber hinaus werden Ausflüge in die Umgebung organisiert und Besichtigungen.

Der neue Katalog "Freiwilligendienste im Ausland 2005" kann gegen 2,40 €
in Briefmarken bei yap-cfd, Rendeler Straße 9-11, 60 385 Frankfurt,
postalisch angefordert werden. Weitere Informationen im Internet unter www.yap-cfd.de und unter Telefon 069 / 45 90 71.

Youth Action for Peace
Der Verein Youth Action for Peace, christlicher Friedensdienst (Yap-cfd), vermittelt junge Erwachsene zu Freiwilligendiensten (6 bis 12 Monate) und Workcamps (3 Wochen) in 40 Länder weltweit und bildet auch Leiter für die Workcamps aus. 2004 wurden 140 Freiwillige vermittelt, die meisten nach Frankreich und in andere europäische Länder, aber auch ins ehemalige Jugoslawien und nach Palästina.
Freiwilligendienst bedeutet, sich unentgeltlich bei sozialen Einrichten wie Jugend- und Kulturzentren, ökologischen Projekten von Naturschutzvereinen oder kulturell bei Friedens- und Solidaritätsprojekten zu engagieren. Bei Workcamps muss die Anreise selbst bezahlt werden, Unterkunft und Verpflegung sind frei. Ziel des Vereins ist, einen Beitrag zur internationalen Verständigung und Toleranz zu leisten, gegen soziale Ausgrenzung von Menschen und latenten Rassismus anzugehen. Der Verein unter dem christlich-pazifistischen Dachverband "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" finanziert sich über öffentliche Gelder und die evangelische Kirche, Projektspenden und seine rund 100 Mitglieder.

Autorin: Brigitte Biehl