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Teamgeist ist stärker als Unterschiede
Workcamp Friedensdienst: Junge Menschen aus aller Welt erwerben sich in Frankfurt viele Sympathien • Von Doris Stickler

FRANKFURT. Die Gemeinde Am Bügel hat in ihrem kirchlichen Nachbarschaftszentrum (Kinz) einem Workcamp des Christlichen Friedensdienstes Quartier geboten. Zwei Wochen lang war das Haus von zwölf jungen Menschen aus aller Welt bevölkert.

Jugendliche aus aller Welt haben sich in der Gemeinde Am Bügel kennengelernt und Freundschaften über Grenzen hinweg geknüpft. Pfarrer Olaf Lewerenz (Vierter von links) freute sich über das Workcamp.

Sie leben in der Ukraine und in Taiwan, in Spanien und in Russland, in Tschechien, Südkorea und in der Türkei. So verschieden ihre kulturellen Prägungen auch sind, in ihren Hoffnungen und Wünschen stimmen sie völlig überein. Hätten etwa Evgeny, Ching-Yu oder Imren in der Welt das Sagen, gehörten Kriege, Armut und soziale Ungerechtigkeit der Vergangenheit an.

Während des Workcamps trat die Einhelligkeit der zwölf jungen Frauen und Männer nicht nur in politischen Fragen zutage. Wie verwandt ihre Ansichten sind, zeigte sich, wenn es darum ging, alltägliche Dinge wie Kochen und Putzen zu organisieren, in den Einrichtungen vor Ort tatkräftig mitzuarbeiten, einen Gottesdienst zu gestalten oder ein Floß zu bauen. Wo Gemeinschaftsgeist und soziales Engagement dominieren, spielen Unterschiede in Nationalität und Glauben keine Rolle mehr. Nicht von ungefähr hatten sich die Gäste im kirchlichen Nachbarschaftszentrum dem Motto verschrieben: »Wir können jedes Problem lösen, wenn wir als Gruppe zusammenhalten.«

Das hat die bunt gewürfelte Gruppe zwei Wochen lang eindrucksvoll vor Augen geführt. Im Norden Frankfurts und Umgebung wird man ihren Besuch so schnell nicht vergessen – weder in der Gemeinde Am Bügel noch im Kindergarten, im Jugendhaus oder in der Seniorenanlage. Eine gebrechliche Dame, die von Taras und Iryna zum Arzt und bei Spaziergängen begleitet worden ist, war von den beiden so begeistert, dass sie sie wiederholt zum Tee eingeladen hat. Auch die Germanistikstudierenden waren von der Begegnung angetan, nicht zuletzt, weil dadurch ihre Deutschkenntnisse beträchtlich erweitern worden sind. Die Seniorin wird künftig wohl öfter mal eine Postkarte aus der Ukraine in ihrem Briefkasten finden.

Die im In- und Ausland angebotenen Workcamps versteht der Christliche Friedensdienst zu Recht als aktiven »Beitrag zur internationalen Verständigung«. Wenn 18- bis 24-Jährige aus aller Welt eine Weile zusammenleben, arbeiten und lernen, wird damit ein nicht zu unterschätzender Schritt in Richtung Frieden gemacht. Geknüpfte Freundschaften und geteilte Erfahrungen bereiten den Boden, auf dem Solidarität, soziale Verantwortung und Toleranz gedeihen.

Zumal der theoretische Teil des Workcamp-Programms für entsprechende Düngung sorgt. In Nieder-Eschbach, das mit seiner kulturellen Vielfalt fast das Bahnhofsviertel übertrifft, kreisten viele Diskussionen denn auch um die Frage Integration oder Assimilation.

Ein Thema, das auch die Gemeinde Am Bügel berührt, da etliche Mitglieder in Russland geboren wurden. Dies war für Pfarrer Olaf Lewerenz allerdings weniger der Grund, für offene Kinz-Türen zu werben, als er erfuhr, dass der Christliche Friedensdienst in Frankfurt eine Unterkunft für das Workcamp sucht. Den Theologen überzeugte das gesamte Projekt. Außerdem schätzte er Nieder-Eschbach als optimalen Standort ein. Nach den zwei Wochen können das die aus Mainz stammenden Teamerinnen Sara und Sophia nur bestätigen. Von den gastlichen Räumlichkeiten im Kinz waren sie ebenso angenehm überrascht wie von dem Stadtteil, in dem großstädtisches Flair und idyllisches Grün gleichermaßen zu Hause sind.

Foto: Doris Stickler